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Ugochukwu

Ugochukwu ist in Aba, einer Großstadt in Nigeria, aufgewachsen. Mit 18 Jahren zog er nach Enugu, um dort Marketing zu studieren. An der Universität schloss sich Ugochukwu einer Studentenbewegung an, die sich oft kritisch zu Nigerianischen Regierungsangelegenheiten äußerte.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung wie wir es kennen, gibt es in Nigeria nicht. Kritik an den Eliten und der Regierung ist dort ein großes Tabu. Jene, die es wagen sich dem zu widersetzen, sind in Gefahr verfolgt und sogar getötet zu werden. Das wusste Ugochukwu und so wurde die Flucht nach Europa zur einzigen Möglichkeit. Zu seinem Glück unterstützte ihn sein Onkel dabei, ein Schengenvisum und ein Flugticket zu besorgen. Damit kam Ugochukwu im August 2002 von Lagos nach Wien.

Das Ende der Glücksträhne

Sein Reisepass wurde ihm unmittelbar nach Ankunft von ihm unbekannten Personen abgenommen. Also ging Ugochukwu nach Traiskirchen, um einen Asylantrag zu stellen. Fünf Jahre wartete er auf eine Entscheidung, die dann plötzlich und wie ein Schlag ins Gesicht kam. Seine Fluchtgründe wurden von den zuständigen Beamten nicht anerkannt, der Antrag auf Asyl wurde 2007 abgelehnt.

Natürlich legte Ugochukwu gleich darauf Beschwerde ein. Noch einmal wartete er geduldig auf die Entscheidung der Asylbehörde. Wieder vergingen vier Jahre. Erst im Jahr 2011 erhielt er auch in zweiter Instanz einen negativen Bescheid. Die Begründung: Nigeria sei ein sicheres Land. Das mag ja auch für Teile der Bevölkerung zutreffen, für Menschen die brav den Mund halten, arbeiten, essen und schlafen. Für Menschen wie Ugochukwu, junge, engagierte Männer und Frauen, die ihre Heimat zum Besseren verändern möchten und für demokratische Rechte kämpfen, für jene ist es in Nigeria leider nicht sicher. Traurigerweise zählt das nicht in den Augen der Asylbehörde.

Alles umsonst?

Seit 2004 wird Ugochukwu vom Verein Ute Bock betreut. Niemals jedoch sah man ihn so verloren und in so schlechter psychischer Verfassung als nach dem zweiten negativen Bescheid. Alles umsonst, die vielen Mühen, das lange Warten. Kurze Zeit später kam die Fremdenpolizei zur Kontrolle. Vor lauter Angst und Verzweiflung vor Schubhaft und Abschiebung sprang Ugochukwu aus dem Fenster seiner Wohnung im zweiten Stockwerk. Die Folgen dieses Verzweiflungsaktes sind heute noch sichtbar. Selbst mehrere Operationen am linken Knie blieben erfolglos. Ugochukwu ist nach wie vor in seiner Gehbewegung stark eingeschränkt. Eine vollständige Genesung ist laut ärztlichem Gutachten ausgeschlossen.

2013 versuchte Ugochukwu nochmals seine Fluchtgründe den österreichischen Behörden darzulegen. Noch im selben Jahr wurden diese allerdings erneut für nichtig erklärt und sein Ansuchen mit der Begründung der ‚bereits entschiedenen Sache‘ abgelehnt.

Endlich: Humanitäres Bleiberecht für Ugochukwu

Ugochukwu lebte die letzten 15 Jahre in Wien, ohne je die Möglichkeit gehabt zu haben, an der Gesellschaft vollständig teilzuhaben. Dieses jahrelange Nichtstun hinterließ tiefe Spuren der Verzweiflung und Ratlosigkeit. Und dann kam das Werkstattprojekt bockwerk (Anm. jetzt NUT & FEDER). Natürlich machte das gemeinsame Werken die letzten Jahre nicht ungeschehen, aber es ließ aufatmen und gab eine langersehnte Perspektive.

Anfang 2016 hat Ugochukwu einen Antrag auf humanitäres Bleiberecht gestellt, in der Hoffnung, dass sein freiwilliges Engagement bei bockwerk einen positiven Einfluss auf die behördliche Entscheidungsfindung nehmen wird.

Und jetzt, über ein Jahr später hat das Zittern endlich ein Ende: Ugochukwu erhält humanitäres Bleiberecht mit Arbeitsmarktzugang. Wir freuen uns riesig!